Feuerwehr-Ausbildung verknüpft Holzbau und Brandschutz

2. Juni 2026

Erster Ausbildungsblock angehender Feuerwehrfrauen & -männer

Vom 18. Mai bis 3. Juni 2026 absolvieren angehende Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner im Rahmen ihrer regulären Berufsausbildung ihren ersten von zwei dreiwöchigen Ausbildungsblöcken im Bildungszentrum Holzbau in Biberach. Unter Anleitung von Ausbildungsmeistern, die selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv sind, erwerben die Auszubildenden fundiertes Wissen zu Holzkonstruktionen, Brandschutz und Abstütztechniken – und setzen dieses im Unterricht an Modellen und realen Objekten praktisch um.

 

Theorie im Blockunterricht: Holzbau, Statik und Brandschutz

Die Ausbildungseinheit am Bildungszentrum Holzbau ist fester Bestandteil der beruflichen Qualifizierung zur Feuerwehrfrau bzw. zum Feuerwehrmann. Im Mittelpunkt steht das Verständnis dafür, wie Holzkonstruktionen aufgebaut sind, wie sie Lasten abtragen und wie sie sich im Brandfall verhalten.

Zu den behandelten Inhalten gehören unter anderem:

  • Grundlagen der Materialkunde mit Fokus auf Holz und Holzwerkstoffe
  • Aufbau, Eigenschaften und Dauerhaftigkeit von Holz
  • Holzverbindungen und ihre Bedeutung für die Tragfähigkeit von Konstruktionen
  • Dachformen und Dachkonstruktionen im Holzbau
  • Treppenbau und deren sicherer Gebrauch und Beurteilung im Einsatz
  • Abstütz- und Abfangkonstruktionen, etwa bei geschädigten Fachwerkbauten
  • Grundlagen des baulichen Brandschutzes im Holzbau, Brandphasen und Rauchentwicklung

Ziel dieses ersten Ausbildungsblocks ist es, die Auszubildenden in die Lage zu versetzen, Tragstrukturen in Holz- und Fachwerkgebäuden zu lesen, Lastabtrag und mögliche Schwachstellen zu erkennen und Gefahren für Einsatzkräfte und Betroffene besser einzuschätzen. Die Ausbilder bringen dabei sowohl ihr fachliches Know-how aus dem Holzbau als auch ihre Einsatzerfahrung aus der Feuerwehr ein.

„Wer ein Dach, einen Fachwerkträger oder eine Treppe konstruktiv versteht, kann im Einsatz schneller entscheiden, wo wir sicher vorgehen können – und wo nicht“, erläutert ein Ausbildungsmeister des Bildungszentrums Holzbau.

 

Praxis im Unterricht: Modelle, Abstützen und Versuche

Auf die theoretischen Inhalte folgt im Blockunterricht ein umfangreicher Praxisteil, in dem die Auszubildenden das Erlernte in geordneten Ausbildungssituationen umsetzen. Gleich zu Beginn fertigen sie eine Arbeitsprobe an, um grundlegende handwerkliche Fähigkeiten sowie den Umgang mit Holzbauteilen zu vertiefen.

Im weiteren Verlauf dieses ersten Ausbildungsblocks bearbeiten die Auszubildenden unter anderem folgende Aufgaben:

  • Abstützarbeiten bei der Firma Airbus in Friedrichshafen
    Vor Ort werden Abstütz- und Absprießarbeiten unter realen Rahmenbedingungen geplant und umgesetzt. Die Auszubildenden sichern Bauteile mit Sprießen, Kanthölzern und Auskreuzungen und lernen, Lasten kontrolliert abzufangen.
  • Herstellung einer Notbehelfstreppe
    Aus Holzbauteilen wird eine provisorische Treppe gefertigt. Ziel ist es, im Ernstfall rasch einen sicheren Zu- oder Fluchtweg zu schaffen, etwa bei beschädigten oder unbenutzbaren Treppenhäusern.
  • Fachwerkträger unter Wärmeeinwirkung
    Ein eigens hergestellter Fachwerkträger wird einer Wärmeeinwirkung ausgesetzt. Die Auszubildenden beobachten, wie sich Form und Tragfähigkeit des Trägers verändern und welche Konsequenzen das für das taktische Vorgehen im Brandfall hat.
  • Dachstuhlmodell
    An einem Dachstuhlmodell wird das Zusammenspiel von Sparren, Pfetten und Verbindungen nachvollzogen. So können typische Schwachstellen identifiziert und sinnvolle Ansatzpunkte für Abstützmaßnahmen im Einsatz diskutiert werden.

„Die Verbindung von Holzbau-Fachwissen mit einsatzrelevanten Beispielen in der Ausbildung hilft uns, Gefahrenstellen später im Dienst schneller zu erkennen und unsere eigenen Kräfte besser zu schützen“, so die Auszubildenden.

 

Einordnung und Ausblick: Mehr Sicherheit im Einsatzalltag

Die Ausbildung im Bildungszentrum Holzbau trägt der wachsenden Bedeutung des Holzbaus im Neubau und im Bestand Rechnung. Moderne mehrgeschossige Holzbauten, Sanierungen historischer Fachwerkgebäude und komplexe Dachkonstruktionen stellen Feuerwehren vor besondere Herausforderungen – insbesondere bei Brand-, Hilfeleistungs- und Sicherungsmaßnahmen.

Durch die enge Verzahnung von theoretischem Unterricht, handwerklicher Praxis und einsatzorientierten Beispielen stärkt dieser erste von zwei Ausbildungsblöcken sowohl die Eigensicherung der Feuerwehr als auch die Sachkenntnis im Umgang mit Holzkonstruktionen. Davon profitieren im späteren Berufsalltag die Feuerwehren, die Holzbaubranche und nicht zuletzt die Bevölkerung.

Im zweiten, ebenfalls dreiwöchigen Block (06.-24.07.2026) der Berufsausbildung werden die Inhalte weiter vertieft und um zusätzliche Schwerpunkte ergänzt. So sollen die angehenden Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner schrittweise auf ein breites Einsatzspektrum vorbereitet werden, in dem der sichere Umgang mit Gebäuden in Holzbauweise eine immer größere Rolle spielt.

 

Ansprechpartner:
Jochen Ströhle
E-Mail