Fachliche Einblicke in den Holzbau
Vom 21. September bis zum 3. Oktober 2026 nahm eine 14-köpfige Gruppe an einer Erasmus+ Mobilität in Irland teil. Sie bestand aus zwei Zimmerergesellinnen und zwölf Zimmerergesellen, die im Sommer 2026 ihre Gesellenprüfungen erfolgreich abgelegt hatten. Organisiert wurde die Mobilität vom Bildungszentrum Holzbau in Biberach. Begleitet wurde die Gruppe von Carmen Benkert und Luca Flock, die als Ausbilder beziehungsweise Mitarbeitende in der internationalen Arbeit des Bildungszentrums tätig sind.
Im Mittelpunkt stand kein touristischer Ausflug, sondern eine berufliche Lern- und Austauscherfahrung. Die Teilnehmenden besuchten Bildungseinrichtungen, Baustellen, Holzbauunternehmen und Produktionsbetriebe und verglichen dabei irische und deutsche Ausbildungs-, Bau- und Fertigungsweisen. Im Cloughjordan Ecovillage erhielten sie außerdem Einblicke in ein nachhaltiges Siedlungs- und Lebenskonzept. Dabei wurde deutlich, wie ökologische Bauweisen, gemeinschaftliches Leben, Energieeffizienz und eine langfristige Quartiersentwicklung miteinander verbunden werden können.
An der TU Thurles und an der TU Limerick informierte sich die Gruppe über das irische Ausbildungssystem und die Ausbildung im Baubereich. Im Austausch mit irischen Auszubildenden wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur deutschen Berufsausbildung besprochen. An der TU Dublin arbeiteten die Zimmerergesellinnen und Zimmerergesellen gemeinsam mit irischen Auszubildenden an einem Dachmodell. Dabei verglichen sie unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Schiftung. In den „Timber Talks“ präsentierten sie außerdem Themen aus dem deutschen Holzbau und übernahmen damit selbst eine aktive Rolle im internationalen Wissenstransfer.
Ein weiterer fachlicher Schwerpunkt war der Besuch einer Baustelle von Long Life Construction. Zwei Ingenieure erläuterten den Aufbau eines Einfamilienhauses in Holzständerbauweise. Die Gruppe konnte Konstruktion, Bauablauf und Baustellenorganisation direkt vor Ort nachvollziehen und mit den in Deutschland üblichen Verfahren vergleichen. Beim Bauunternehmen John Sisk & Son erhielten die Teilnehmenden Einblicke in größere Bauvorhaben, laufende Fassadenarbeiten, die Koordination verschiedener Gewerke sowie die Anforderungen an Qualität, Terminplanung und Sicherheit.
Die Besichtigung des historischen Dachstuhls der St. Patrick’s Cathedral verband traditionelles Zimmererhandwerk mit konstruktivem Verständnis und Baugeschichte. Beim Fertighaushersteller IJM in Monaghan stand anschließend die industrielle Vorfertigung von Wänden und Dächern im Mittelpunkt. Die Zimmerergesellen lernten den Zusammenhang zwischen handwerklicher Arbeit, standardisierten Prozessen, Maßgenauigkeit, Logistik und effizienter Montage kennen. Eine Werksführung beim international tätigen Unternehmen Combilift ergänzte diese Einblicke um industrielle Produktionsabläufe und innerbetriebliche Logistik.
Die Mobilität eröffnete den Teilnehmenden neue Perspektiven auf nachhaltiges Bauen, Holzrahmenbau, Dachkonstruktionen, Ausbildung und Vorfertigung. Der direkte Austausch mit irischen Auszubildenden, Studierenden, Ingenieuren und Fachleuten stärkte zudem ihre fachliche, kommunikative und interkulturelle Kompetenz. Die gewonnenen Erfahrungen bieten wertvolle Anregungen für die weitere berufliche Entwicklung und für ein modernes, zukunftsorientiertes Zimmererhandwerk.
Die Mobilität wurde im Rahmen des Erasmus+-Programms durch die Europäische Union finanziell unterstützt.
Ansprechpartner:
Wolfgang Schafitel
Fachbereichsleitung HIB
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